Wie neu! – Letter of Hope: Prof. Dr. Annette Scheunpflug

Wie neu! – Letter of Hope: Prof. Dr. Annette Scheunpflug

Eine Botschaft der Hoffnung an Kolleginnen und Kollegen in GPENreformation

Wie neu!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Brüder und Schwestern in Christus:

vielleicht gibt es unter Euch welche, die das Wort „Quasimodogeniti“ schon einmal gehört haben. Ein richtiges Wortungetüm! Viele müssen raten, welche Sprache das überhaupt ist. Und nur wenige wissen auch, was dieses Wort bedeutet. Mit diesem Wort wird der erste Sonntag nach Ostern bezeichnet. Es ist Latein, und eigentlich sind es drei Wörter „quasi“, „modo“ und „geniti“. Diese heißen übersetzt: „wie die Neugeborenen“.

Diese drei Wörter bilden den Anfang eines Verses aus dem Neuen Testament, aus dem 1. Petrusbrief, und sind der Beginn einer Lesung im Gottesdienst am ersten Sonntag nach Ostern. Da in früheren Jahrhunderten Gottesdienste in Latein gefeiert wurden, hat dieser Sonntag, mit dem die jetzige Woche begonnen hat, seinen Namen nach der lateinischen Fassung diese Anfangswörter bekommen.

Der ganze Vers aus dem Petrusbrief sagt, dass die ersten Christen damals so an dem Evangelium interessiert waren, wie die neugeborenen Kinder Durst nach richtig guter Milch haben. Damit wird daran erinnert, dass nach Ostern alles neu und energiegeladen ist.

Das Bild von den Neugeborenen passt gut zu Ostern, dem Fest, in dem wir die Auferstehung Jesu feiern als Sieg des Lebens über den Tod, und bei dem in vielen Ländern an Ostern auch an das Erwachen der Natur nach dem kühlen Winter erinnert wird. Hier in Mitteleuropa werden Eier bemalt und für die Kinder im Haus oder Garten versteckt. Das soll zum Ausdruck bringen: Leben entsteht neu.

Diesen Gedanken können wir sehr gut gebrauchen in einer Zeit, in der fast in allen Ländern der Erde die Pandemie Angst und Schrecken verbreitet und so viele Menschen erkranken oder sogar sterben. Wir alle, ob wir selbst betroffen sind oder nicht, sollten an sie denken, wo immer möglich Hilfe leisten und unser Mitgefühl allen Betroffenen zum Ausdruck bringen.

Aber wir brauchen darüber hinaus auch die Hoffnung, die trotz der Gefahr neuen Lebensmut gibt und die Energie für die nächsten Wochen und Monate. Hoffnung ist wie die Milch für die Neugeborenen, die Hoffnung, dass etwas Neues heranwächst.

Das ist für unsere Schulen und für alle Schüler ein ermutigender Gedanke für diese Zeit kurz nach Ostern: Das Evangelium gibt neue Energie; es ist wie stärkende Milch. Solch neue Energie kann eine gute Nachricht sein, die Mut gibt. Es kann eine solidarische Hilfe gegenüber jemandem sein, der dringende Unterstützung braucht. Es kann eine gute Idee sein, Dinge in der nächsten Zeit anders und besser zu machen. Es kann vielleicht ein gemeinsames Lied sein, das Freude und Zuversicht zum Ausdruck bringt.

„Quasimodogeniti“ erinnert daran, jeden Tag über die neue Energie nachzudenken, die wir aus unserem Glauben schöpfen und die Gott uns stets neu schenkt. Denn „Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jesaja 40, 29)

An diesem Sonntag vor genau 460 Jahren, am 19. April 1560, ist Philipp Melanchthon in Wittenberg verstorben, der Reformator, der wie kaum ein anderer Evangelium, Vernunft und Bildung zusammengebracht hat. Lernen ist die Energie, aus der viel Neues entstehen kann und die Hoffnung, Energie und Zuversicht verleiht – so wie Milch für die Neugeborenen.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen aus Deutschland

Eure Annette Scheunpflug