Ruanda: Impuls von Botschafterin Albertine Nyiraneza

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

heute, am ersten Sonntag nach Ostern, gibt uns unser auferstandener Erlöser ein Wort der Hoffnung und der Ermutigung – inmitten der Schwierigkeiten, Verwirrungen und Frustrationen, die uns vielleicht im Zuge der Covid-19-Pandemie bevorstehen.
Die Verse meiner heutigen Reflexion sind gemäß Lukas 24,36-39 aus dem Evangelium entnommen:

Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände und meine Füße: ich bin’s selber. Fühlet mich an und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe.

Dieser Abschnitt kommt unmittelbar nachdem zwei Jünger Jesus auf der Straße nach Emmaus begegnet und dann nach Jerusalem zurückgelaufen waren, um den Jüngern dort zu berichten, was geschehen war. Sie waren in einem oberen Raum versammelt, die Türen verschlossen, verwirrt, frustriert und versuchten, den unglaublichen Berichten derer, die behaupteten, Jesus gesehen zu haben, einen Sinn zu geben. Zuerst Petrus und Johannes, dann die Frauen und jetzt diese beiden aus Emmaus – sie alle sagten, er sei am Leben. Dann ganz plötzlich, in ihrer Mitte, erscheint Jesus und spricht zu ihnen. Und was ist das erste, was er sagt? „Friede sei mit euch.“ Er wusste, dass es das war, was sie am meisten brauchten – Frieden, um die Angst, die Verwirrung und die Frustration zu legen; Frieden, damit sie sich auf die Realität konzentrieren konnten, dass Jesus lebte und mit ihnen war. Jesus gab ihnen Sicherheit: „Berühre mich und erkenne, dass ich real bin“, sagte er.

Unsere Situation ist zwar anders, aber unsere Gefühle sind die gleichen – isoliert wegen des Coronavirus, eingesperrt in unseren Häusern, ängstlich wegen der Zukunft und der Frage, wie lange das noch dauern wird, verwirrt und frustriert, weil so etwas noch nie zuvor passiert ist. Wir fragen uns, was die Zukunft bringen wird. Das Leben wird schwieriger für Menschen, die nicht in der Lage sind, außerhalb ihres Zuhauses zu arbeiten, und viele sind auf die Unterstützung der Regierung oder der Kirche angewiesen. Wir müssen Abstand voneinander halten, auch wenn wir uns auf der Straße sehen, in den wenigen Momenten, in denen wir uns außerhalb unseres Zuhauses aufhalten. Der Gemeinschaftssinn wird in Frage gestellt, und es ist schwierig, ein Teil des Leibes Christi zu sein, wenn wir so getrennt sind, wie wir sind.

Mitten in unserer Situation spricht Jesus immer noch: „Friede sei mit euch“. Er bietet uns seinen Frieden und die Gewissheit an, dass er bei uns ist. Wir können ihn vielleicht nicht physisch berühren, aber er berührt unsere Geister; er spricht zu unseren Herzen. Er ist bei uns , so wie er auch bei seinen Jüngern war. Er ist weder ein Geist noch eine Fata Morgana. Er ist für uns genauso real, wie er es für die Jünger war. Er bietet uns Frieden und seine Gegenwart inmitten all der verwirrenden Situationen des Lebens an; inmitten dieses Virus, den wir nicht sehen können, aber meiden müssen.
Wir müssen mit der Hoffnung auf Christus, der über alle Umstände erhaben ist, in die Zukunft blicken. Wir müssen geduldig bleiben, wie lange diese Isolation auch immer andauern mag. Es ist zu unserem Wohl und zum Schutz der anderen. Und vor allem müssen wir im Gebet verbunden bleiben, verbunden mit Christus und untereinander. Wenn wir füreinander beten, bindet uns Christus an sich selbst und an einander, ungeachtet der Entfernung.

Gott des Friedens, Du bist mit uns, wie Du versprochen hast, aber wir bekennen, dass wir Dich in unseren Ängsten, unserer Frustration und unserer Verwirrung manchmal aus den Augen verlieren. Sprich zu unseren Herzen, damit wir Deine klare und beruhigende Stimme inmitten des Lärms unserer Situation hören können. Schenke uns Deinen Frieden. Amen.

Eure Schwester in Christus
Pfarrerin Albertine Nyiraneza

Präsidentin des Presbyteriums Gitarama
der Presbyterianischen Kirche in Ruanda